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120702

Ist es nicht seltsam? Jedesmal, wenn ich ein Formular irgendwo sehe, muss ich es ausfüllen. Ich weiss, dass es keinen Sinn macht, und trotzdem fülle ich es aus. Aber warum? Ist es ein Drang, der in uns allen steckt und in mir an die Oberfläche treibt? Ist es eine geheimnisvolle spirituelle Kraft, die meine Finger kontrolliert, wenn ein Formular meine Neuronen reizt? Wahrscheinlich werde ich nie ergründen, was es ist, aber es ist da. Und es ist auch gar nicht mal so mies: Ich fülle immer nur aus, das Absenden überlasse ich anderen.
Bin ich bürokratischer Natur?
Kann nicht sein, ich schlafe nicht so viel.
Ein Formular verfügt durchaus über eine gewisse "Schönheit" oder "Reinheit". Ein Formular ist klar strukturiert und man kann genau erkennen, was wo rein muss - ganz anders als beim Menschen. Ein Formular ist immer dein Freund, und wenn du es falsch ausfüllst, hast du direkt das nächste. Aber ist es wirklich so faszinierend? WARUM fülle ich das alles aus?
Schlagartig kommt mir die Antwort.
Ich fülle es auch, weil wir halb eins in der Nacht haben, mir langweilig ist, ich noch nicht pennen möchte, und weil ich susiebond mal was Gutes tun will.
Einfache Antworten sind doch am besten.

Der Mosch

 

190801

Hast Du schon mal auf eine SMS gewartet?

Nein, natürlich nicht auf irgendeine, damit wird man ja nun zugepflastert, immer, wenn man es nicht haben will, weshalb man den sogenannten "Benachrichtigungston" schon auf dieses unauffällige Nokia (bitte sprich: Nokkia)- Fiepsen reduziert hat und man erregt sich königlich über all die armen Gesellen, die das nicht getan haben und die dann diese blödsinnige Situation produzieren, dass plötzlich in der Klokabine nebenan eine panische Morse-Orgie lostutet, die sich so frei in's Deutsche gar nicht übersetzen liesse (ich bin bis "S O" gekommen, keine Ahnung, wie das weitergeht) und der Klobrillenbesetzer herauspustet "Nix passiert, bloss 'ne EssEmmEheeess!" "Ach was, Du Stoffel, ich dachte, Papier wär' alle."

Nein, also nicht so eine y-beliebige KM (da staunt Ihr, was?), sondern eine ganz bestimmte, also zum Beispiel die Antwort auf eine eigene, die man ganz besonders wichtig findet. So wichtig, dass man extra den Signalton von dem unauffälligen Nokkkia Fiepsen auf den aufdringlichen dreifachen Doppelton (Ihr wisst schon) zurückändert, um gleich zu wissen, wenn's da ist.

Und nichts passiert. Man wartet und wartet und weiss, es ist Absicht, das Ignorieren ist Absicht, das hat Methode, das soll Erziehung sein, Hinhalten, Zermürben. Oder nicht? Gute Chance in diesen wilden Kommu-Zeiten (womit ich Zeiten mannigfaltig differenter Möglichkeiten der Kommunikation meine), dass der erhoffte Sender drei Tage später bekennt "Och Du, übrigens, wegen Deiner Nachricht: Sorry, ich hab' doch E-Plus, habe ich eben erst erhalten". Oder: "Ich hatte mein Händie im Auto vergessen, konnte ich gar nicht lesen, was hast Du denn geschrieben?"

Scheiss Mobilfunk.

Jörg.

 

170500

wann wohl sollte man vom 'man' zum 'ich', oder zum 'du' wechseln? wann wohl ist es angebracht, manselbst, ichselbst, duselbst zu sein? und sollte man/ich/du seine/ihre stimmung in kleinen buchstaben ausdrücken? wann ist dafür der richtige zeitpunkt; gibt es einen unterschied, ob man sich als 'man' oder 'ich' empfindet, dann? gibt es eine distanz zum leben; und danach oder davor eine größere distanz zum leben? wieviel distanz zum leben kann man ertragen, ohne zu sterben? wie heißt das geheimnis, das rezept, die droge, die das leben lebendig macht?

smhk


(c) Sandra Hyodo

 

Werden und Sein
Immer wieder ganz allein
In Momenten wo man sich zurückzieht
Die Intensität dieses Zustands
Wie man mit sich selber auskommt
Ob man sich mag
Wie man ist
Was man ausstrahlt
Welche Assoziationen man erzeugt in anderen Menschen
Die Art und Weise wie rezeptiv Menschen auf einen reagieren
Es kommt darauf an, ob man erfüllt leben kann mit den Settings des Daseins
Die Umwelt - der Spaß am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen
Ich sehe sie immer wieder
Die gutgelaunten Nachtschwärmer
Ich wähne mich so oft in der Nähe meiner Traumfrauen
Sie sind überall
Und ich entdecke immer wieder andere Dinge, die mich faszinieren
Der Duft der Frauen und ihrer eloquenter Reizvielfalt
Und die Suche scheint nicht enden zu wollen
Alles muß fliessen
Wie durch Zufall treten Menschen ins Leben anderer
Lehn dich zurück und warte hoffnungsvoll, gespannt
Doch wie frei kann man sich treiben lassen?
Wie stark kann man sich von seiner Sehnsucht nach Erwiderung abgrenzen?
Wie schafft man den Zustand minimaler Manipulation seiner Wünsche?
Kommt alles sowieso von allein?
Im Alltag muß man andere Verhaltensmuster leben
Da erreicht man durch gewisse strategische Manöver gesteckte Ziele
Man ist Herr seines Schicksals
Kommt voran und wird zurückgeworfen


Immer vor dem Hintergrund einer treibenden Kraft
Ein aktives Hinzufügen der berechenbaren, prognostizierbaren  Komponente
Die Liebe stellt sich anders dar
Da funktionieren diese rationalen Elemente der Wahrnehmung nicht mehr
Und es gibt auch keine Trendlininien
Und es gibt auch keine Planungssicherheit
Planbar gehört nicht ins Vokabular der Liebe
Sich finden und sich ergänzen
Miteinander
Dinge erleben
Das Leben leben
Miteinander und nicht ohne einander
Der große Unterschied
Der heilige Gral des sich Kennenlernens
Der Schlüssel auf die Antworten der ungeklärten Fragen
Der Gefühlsreichtum
Die Aktivieren seines kompletten emotionalen Systems
Die eingerosteten Bahnen werden wieder freigespült
Positive Energie durchflutet den ausgetrockneten Stausee
Es fängt an bunter zu werden
Mit einem Katamaran ohne Plan
Die Navigation auf den Ort Atlantis eingestellt
Der Ozean der suchenden Seelen
Die überall auf der Erde weiter träumen
Das Leben in seiner Phantasiewelt
Das Picknick am ersten sonnigen Frühlingstag
Werden wir später noch so sein wie wir sind?
Wie wird es sein?

C)Copyright 2000
Thomas Wittig
wittig@necnet.de


20.03.2000

Weniger als immer, manchmal jedoch desto: Trotz. Wenn einem die Verlegenen Fäden durch die Hand gleiten, sich nichts gegenseitig etwas ausmacht, einiges immer wieder verloren geht... dann sind das Tage, die eigentlich wie immer voller Sonnenschein einher kommen. Ich begrüße diesen Tag inmitten des Sonnenscheins - jemand daran gedacht, daß es anders sein könnte. Wenn's dann regnet, verlasse ich das Haus, die Tür und die Fragen, tauche ein und auf, stelle mich in den Rest des großen Flusses und verzehre genüßlich ein Stück alte Linzertorte. Im Gedenken an Götinnen und Götter und an den ganzen Rest. Wage ich es, diesmal nichts zu sprechen, wenn sie, sanft und unerbittlich den Ton der beredten Süße mir der Wahrnehmung preisgibt. Mir schaudert - ist sie doch immer wieder so erfolgreich in den eigenen Erlebnissen zu finden. Dennoch ist sie real.

Pablo N.M. Dummer
Homepage
http://www.schattenreigen.de

08.11.1999

Huhu, staunte Hugo, es ist Montag, und ich habe über's
Wochenende das Staunen nicht verlernt.

"Huhu, Hugo," sagte der Bär im Büro. Er rauchte eine
Zigarre, las Zeitung, trug sogar eine fein gepünktelte
Krawatte. Leutselig winkte er mit der Tatze.

Das war sozusagen der Beginn einer wunderbaren Freund-
schaft, denn von nun an war der Bär Hugos ständiger
Begleiter.

"Huhu, Leute," ruft Hugo den Leuten in der proppe-
gerammelten U-Bahn zu, "macht Platz, seht ihr den
Bären nicht?" Folge eine lautstarke Erklärung, warum
und wieso der Bär es nicht mag, wenn man ihm auf
die Füße tritt. Auch bleibt die Ankündigung nicht aus,
daß so ein Bärentier ganz schön unangenehm werden
kann, mit oder ohne gepünkteltem Schlips.

Daß die Leute nun zügig beiseite rücken, so gut es
in einer proppe-gerammelten U-Bahn nur geht, ist
wohl zuallererst Hugos Charisma zuzuschreiben. Denn
sein Freund, der Bär muckst und miaut nicht, vor
Schüchternheit macht er sich geradezu unsichtbar.

Huhu, Bär, möchte ich dem verstörten Tier zuraunen,
das geht mir manchmal genauso. Die Montagmorgen
in der Großstadt sind nun mal nicht  jedermanns
Sache, das ist einfach so.

(Dieter Hamm)

 

19.10.99

Salt lake housen, Einmachglas

Sei gegruesst, oh Einmachgummi!
Sei ein Ring, rund um und dicht

Moege morgen morgen bleiben,
Moege morgen heute schreiben
Moege Gurke, Hanf und Hafer
gemischt mit Hopfen, Gerste, Malz
immerdar den Trunk'nen treiben

Inkontinenz (autsch! Nicht ganz dicht)
fluestert mir der Suedwester zu
aus Osten blaest mit stetem Charme
Gedaermgedaempft ein Wonneproppen
Beauty Uzi haekelt schnell
ganz unverdrossen dazu Noppen.

ACH! und diese WORTE!
ACH! Wie izmir !
zunehmend, global, isierung!
WOERCH! Das Weltgesabbel
von all denen, die damit dem
Brotkorb heischend,
wahrheiten waehnen!

Die Sterne sind nichts anderes als
in den Nachthimmel hineingestanzte
Loecher. Und Dass Im Kuehlschrank
automatisch das Licht ausgeht,
glaube ich auch nicht.

komm, schnell, Einmachgummi
schnell, komm, den Bund zum dicht.
  
(Ingo Mack)

28.09.1999

La Palmyre 09/99

Wohin ich auch geh
Wohin ich mich wende
Mit wem ich rede
Was ich auch sage
Was ich denke
Und was ich fühle
Was ich empfinde
Was ich zeige
Was ich verberge
Was es auslöst
Was es verändert
Ist ungewiss
Bleibt im Schwebezustand
Das Meer schlägt Wellen
Kontinuierlich gegen meine Gedankenflut
Wie reich das Leben doch ist
Der Moment, wo man in einer Situation an jemanden besonderen denkt
Wenn man sich wünscht diese Person wäre jetzt auch hier
Um den Moment zu erleben
Leben in Frieden
Leben in einer Oase
Vergessen wie alles funktioniert
Und neu beginnen
Ohne Inkonsequenz

(C)Copyright 1999
Thomas Wittig

23.09.1999

Verklärtes Einmachglas. Es mag die Wand hinaufgekrochen sein und sich ein paar Takte über eine Welt Gedanken gemacht haben, die's nicht kannte. Soweit erstaunt es sich selbst eine Weile - denkt dabei rachsüchtig, es habe wirklich etwas verstanden. Wir sagen: armes Einmachglas. Das ist natürlich nur drumherum, jedoch findet sich einmal eine Vorstellung, dann kehrt sie nicht wieder, denkt sich verstaubt hinab in ein Archiv und... tja, ward nicht mehr gesehen. Herbstlaub kann dann ja helfen, so dann und wann - nur wenn es uns zu Gedanken gereicht, denn der Herbst ist ja grau - ganz ohne SunFunFlowerHappyPeopleAllOverTheWorldConnection... Ebenso rechnet sich das Einmachglas - es steht nunmehr zurückgelehnt im Schrank (wo es eben auch hingehört) - und stellt sich den Sonnenuntergang vor. Naja, es war zwar ein Aufgang gewesen, aber das hatte das arme Glas in der Geschwindigkeit gar nicht sehen können. Eine rein akademische Frage also? Für das Einmachglas schon.
Während Herbst und der halbe Winter an ihm vorüber zieht, macht es sich Gedanken über dieses und jenes... nein, eigentlich mehr über jenes, egal - denn dann wird es geopfert, zu einem beliebigen Tag, der Inhalt geleert. Ende des Glases. Kein Sonnenuntergang dieses Mal.

Pablo N.M. Dummer
Homepage http://www.schattenreigen.de

12.09.1999

Ein kleines Flugzeug von Herrn Hans Schmalhaupt-Karpfenleder...

04.09.1999

"Give me wings
Give me space
Give me money for a change of face..."

klagt es aus meinem RealPlayer.
Gedanken eines David Bowie zur Jahrtausendwende. Was aber nur daran liegt, daß diese nun herrgottnochmal in knapp 3 Monaten stattfinden wird, und manch einem schwafelnden Medienmenschen (wo habe ich nur den Begriff "Kulturarbeiter" gehört?) entgeht, daß  Bowie sich wahrscheinlich zur Zeit eher mit seiner persönlichen Jahrhundertwende zu beschäftigen weiß.

Habt Ihr Euch schon mal überlegt, was Ihr derzeit alles so zur Jahrhundert- und -tausendwende tut?
Im Sinne von "Zähneputzen 2000", "Das große Milleniumsrauchen", "Kaffeekochen in ein neues Jahrtausend", "Nägelschneiden für Europa 2000", "Future Staubwischen, jetzt auch online!".

"Millenniumsmiracolikochen-Powerthinking" als Extremsportart für diejenigen, die event-mäßig leider nicht so cool am Start sind, deren advance24 Internetbanking leider mega unfett vom Operator abgeblockt wurde ("Sie haben noch kein ISDN 2000") und für die es somit kohlemäßig noch nicht mal reicht, sich am  31.12.1999 um 23.59 eine Rakete in den Hintern zu stecken (aus: "2000 Milleniumstips mit Kosmetikvorschlägen" in der Freundin, Ausgabe 12/99) und das neue 00 gebührend hysterisch zu feiern?

Habt Ihr eigentlich schon mal daran gedacht, was es alles noch zu erledigen gilt, bevor das große Nichts Euch grinsend und feist mit zwei Nullen in die Augen schaut?
Was wollt Ihr denn antworten, wenn Euch beim jüngsten Gericht (Focus Online) die bedrohliche Frage "Hast Du denn auch brav und sportlich Deine Zeit totgeschlagen??" von einem schambehaarten Brillenträger gestellt wird? Habt Ihr dann wenigstens die CD "2000 lustige Anrufbeantwortersprüche zur Jahrtausendwende, gesprochen von Manfred Krug und Jürgen Trittin" parat?

Solltet Ihr immerhin über ein jämmerliches "Ticket 2000" verfügen, rate ich Euch zu einer schlichten umd kompensatorischen Fahrt nach Wanne-Eickel oder wahlweise Gelsenkirchen: Hier kann man am 13.12.99 letztmalig das am 31.1.1917 gestartete Forschungsprojekt "Menschen und Nichts, Landschaftspark 2000" bewundern und aktiv an der Gestaltung einer neuen, kommunikativen und jungen Kultur "auf dem Weg in eine neue Zukunft" teilnehmen. Hierzu hält die Deutsche Bahn AG ab Dezember an jedem Infopoint ein perforiertes Gruppenkondom, Modell "Generation-Brain-2000" für 12, 3675 Euro bereit.

(Biest)

05.08.1999

Heterosexuelle Gedanken eines Genies unter Berücksichtigung des Pfandflaschenrückgaberechts.

Überschriften die die Welt nicht versteht, aber ist es nicht so einfach?

Man nehme einfach die indikative Bereicherung an Malz und Hopfen in angemessener Darreichungsform des oben erwähnten Mehrzweckbehältnisses. Hat es seinen Zweck erfüllt und steht leer vor den Augen des heterosexuellen ( in Folge nur h. genannten ) Betrachters, denkt er nicht in erster Linie an die 15 Pf. Pfand. Woran erinnert ihn diese schlanke wohlgeformte Gestalt? Ist es die Weisheit, daß eine Flasche in 3 Bereiche eingeteilt wird? Hals, Bauch und Boden?

Bei exakter Beobachtung und unter Berücksichtigung des Alkoholspiegels des h., wird er nicht lange brauchen , um darin eines der schönsten Geschöpfe eines Getränkefachmarktes mit mehr als 60 Biersorten zu erkennen.

Um ihren Hals hatte er sich bisher am meisten gekümmert. Er hatte ihn liebkost und an ihm genuckelt und er bekam bei jedem Saugen etwas Feuchtigkeit aus ihrem tiefsten Inneren. Bei jedem Schluck, den er von ihr aufnahm, hielt er ihren Bauch zärtlich aber bestimmt fest. Manchmal, wenn er eine besonders große Portion von ihr bekam, streichelte h. beim Absetzen zärtlich ihren Flaschenhals. Aus Dankbarkeit, aber auch um sie bei Laune zu halten. Als es zur Neige ging, betrachtete er erstmalig den Boden und fragte sich, ob er wohl in Stöckelschuhe paßte? Auf einmal wußte h., daß der Boden etwas einzigartiges bedeutete. So lange noch eine Spur Feuchtigkeit in ihr war, mußte er versuchen, irgend ein Körperteil auf die ungewisse Reise zu schicken. Aber welches? Er versuchte es mit dem Kopf... keine Chance... die Zunge... es reichte nicht.

Also ging h. seiner Bestimmung nach und welcher h. denkt nicht in erster Linie mit dem Schwanz?


Beim Arzt angekommen, besah dieser sich das Gesamtbild und fragte ihn... sind Sie hetero? Beschämt bejahte h. dieses.
Schon mal mit Köstritzer Urbock versucht... ich mein, ist nur ‘ne Empfehlung. Hab’ damit die beste Erfahrungen gemacht und er fügte mit einem Augenzwinkern hinzu, daß selbst die hohen Schuhe passten.
Und die 15 Pf. danach wären a no drinn!

Und die Moral von dieser Geschichte?

Werdet schwul, denkt weiterhin mit dem Schwanz, aber geniesst das Bier so, wofür es gebraut wurde. Streicht eure 15 Pf. ein, nachdem ihr die Flasche zurück gebracht habt und freut euch wie ein schwuler Königspudel wenn ihr nach Hause kommt und euer Freund das Essen bereitet hat und dabei noch hohe Schuhe trägt.

..... und wenn er dann noch fragt: Willsten Bier??? Glas?.......... oder Flasche???

(Foster’s Delight)

 

04.07.1999

Ich habe mein zweites Bier aufgemacht.
Ich glaube oft nicht ans campen. Wer campt, der sucht sich
eine nette Stelle, dort schlägt er sein Zelt auf und hofft,
er könnte in ihm leben. Kürzlich habe ich in Genienau (Bonn)
gecampt, und lauter alte Menschen gesehen, die in ihren
Wohnwagen Fernseher stehen hatten. Bei schönem Wetter saßen
sie drinnen, schauten und bewegten sich nicht.
Ich habe mich wirklich geekelt.

(ich heisse übrigens jan bojaryn. die adresse meiner homepage ist: http://www.ryn.de )

01.05.1999

Durch die lange Aprilnacht
Schlendernd und wie in Trance
Frage mich warum immer wieder die gleichen Szenarios
an mir vorbeiziehen.
Immer dasselbe in anderer Form,
Motive und Kulissen überdauern den grauen Schleier.
Immer wieder kehren dieselben Gedanken zurück.
Immer wieder das Gefühl, daß irgendwie das Ganze nicht so
läuft wie ich es tief in mir wünsche.
Was man nicht besitzt regiert die anderen in einem Sandmeer.
Sitze wieder am Anfang obwohl ich immer dachte mich
nicht im Kreis zu drehen.
Schicksal oder nur Pech. Was immer es ist, es ist verdammt
inakzeptabel  zu ertragen, was man gar nicht will.
Der Wunsch nach Erfüllung unbewußter Erwartungen, Dinge,die man sich wünscht ohne es bewußt wahrzunehmen.
Das Gefühl, wenn man Zuneigung empfindet. Wenn man sich freut jemanden wieder zu sehen. Wenn man spürt, daß da etwas anders ist, als sonst.
Was genau anders ist vermag man nicht zu artikulieren.
Worte können das nicht ausdrücken. Gefühle kann man nicht kontrollieren.
Früher oder spät verliert man den Kampf gegen seine Gefühle anzukämpfen.
Der Sieger ist oft gleichzeitig der Verlierer.
Sich zu offenbaren ist immer mit Mißerfolgschancen verknüpft.
Doch wie man es auch anstellt, letztendlich muß man den Versuch wagen, weil die Alternative bedeutet, sich selbst zu ignorieren.
Wie auch immer man es macht, es  bedeutet absolut nichts.
Denn der Lauf der Zeit schaut nicht zurück. Es ist immer wieder alles anders.
Nichts gleicht einander. Kongruenz ist ein tragischer Trugschluß.
Er vereinfacht das Leben, ist beruhigend und furchtbar naiv.
Naivität ist ein Lebenselixier. Ohne sie wäre man nicht mehr fähig weiterzumachen, wenn es anfängt still zu werden.
Der Strand, die Sonne und die Liebe.
Die Hoffnung und die Euphorie.
Die Zuversicht und die Willenskraft.
Die Empathie und der Respekt.
Ihr Lächeln und ihre Mysteriösität.
Ihre Wärme und ihre Anziehungskraft.
Immer wieder aufs neue, weil alles so unbekannt ist.
Die Tragik und die Tragödie.
Die Trauer und die Tränen,
Der Pessimismus und das Scheitern.
Die Projektion und die Unsicherheit.
Das Selbstbewußtsein und die Ungnade.
Die Ungewißheit und die Lethargie.
Die Gefühle der Erwiderung und der Gedanke an das Absolute.
Der Zeitpunkt wo alles anfing und der Zeitpunkt, wo alles plötzlich anders war.
Und es kommt nicht mehr zurück. Warum nicht mit Happy end?

(C)Copyright 1999
Thomas Wittig

20.04.99

Das Schwarz des Abends taucht mittlerweile die Gebäude ineinander. Die Übergänge verschwinden, die Dächer verschwinden im Himmel. Doch auch kein Schwarz mehr. Ein Nichts. Deshalb Schwarz? Immer noch glatt, und immer noch unnerreichbar, immer noch ohne jegliche Tiefe, ohne jegliche eigenen Ausdruck und Struktur.
Ist es so, um sich ihn gestaltbar zu machen? Soll er strukturiert werden? Strukturiert mit Gedanken. Der Blick kann nicht mehr abweichen. Das Etwas fesselt die Augen. Irgendetwas kommuniziert. Irgendjemand scheint anwesend. Ist es das Schicksal, das symbolisch die Zukunft verrät? Oder der Sud des heute erlebten? 
Unter den Häusern wieder ein künstliches Licht in den Parkdecks. Es scheint nicht gehen zu wollen. Es scheint den Weg in die andere Zeit, in einen anderen Raum zu markieren. Gibt es eine Möglichkeit, die Linie des Abends zu ändern? Ist es möglich, ihn zu beeinflussen, oder wird er immer die Oberhand behalten, seine Pläne fortfahren, ohne Einwände zur Kenntnis zu nehmen.
Langsam dringt der Abend auch in den Geist und das Hirn, macht sie müde, drückt ihnen Schlaf auf. Doch, nicht, sträuben sie sich dagegen. Sollten sie versuchen dies fortzuführen, sollten sie sich dem Willen des Abend hingeben und in schläfrige Träume verfallen? Würden diese dann ebenfalls begleitet, er übernimmt, anderers den Gedankenspiegel? Doch noch ist es nicht soweit. Im Hirn scheinen sich die Gedanken zu verziehen, scheinen dich durch einen Tunnel zu drücken. Der Denker erlebt dies mit. Er muß gähnen. Feuchtigkeit tritt in die Augen, ein Ansatz von Vorfreude auf die kommende Nacht scheint sich breitzumachen. Der Abend scheint die Gedanken stoppen zu wollen. Der Abend scheint seiner Aufgabe folgen zu müssen, die Nacht zum Jetzt zu machen. Wieder ein Gähnen. Wieder Feuchtigkeit in den Augen. Ein Zeichen für die Kommunikation?
 
Ein Mann tritt auf den Balkon. Etwas Glimmendes in der Hand. Seine Facetten sind nicht zu erkennen, das Gegenlicht fehlt. Selbst das Glimmen verschwindet im Licht, obwohl es doch eigentlich sichtbar sein sollte. Doch ein kurzer Augenblick - sein Berauchtes zeigt sich. Es wird immer schwerer ihn zu erkennen, mitunter scheint er sich den Gebäuden anzupassen. Mitunter scheint er nicht existent. Doch immer wieder plötzliche Töne des glimmenden Stengels.

Langsam dringt die Kälte hinauf zu den Füßen. Die Tür wird wohl verschlossen werden müssen. Der Abend verlangt es. Er setzt Kälte, er erwartet ein Verschließen der Tür. Hingabe oder Rebellion? Wird die Tür geschlossen werden. Nein, sie wird offen bleiben. Mal sehen was passiert, mal sehen was passiert.

sebastian@potsdam.com

 

02.04.99

Auf´m Balkon: Sonnengedanken

Das ist phantastisch. Die Sonne ist endlich wieder ausgebrochen - nach monatelanger Kerkerschaft - und galoppiert über den Himmel.
Klar, daß sie übermütig ist (genau wie meine Kater), und wären da ein paar Wolken, würde sie die gewiß ausgelassen über die blaue
Prärie da oben jagen (wie meine Kater das Bällchen über den Teppich). Gegen Mittsommer hin wird sie dann ruhig am Himmel äsen, stark und selbstbewußt.
Also ich auf´n Balkon und den Winterspeck der Sonne präsentiert. Unser Zentralgestirn, denke ich, das für ein paar Gedanken herhalten soll zum Thema Mittelpunkt und Perspektive. Für Sandras Homepage, denke ich, während unterdessen die Sonne ein unverfängliches Gespräch beginnt.
"Na du da..."
"Hast du was gesagt?" blinzle ich sie an.
Und sie: "Ja du da."
Donnerwetter! denke ich noch und fühle mich ganz großartig erhaben. Das Zentralgestirn spricht mit mir!
"Mir ist langweilig" klagt derweil die Sonne. "Schau, nicht mal der Flaum einer Wolke leistet mir Gesellschaft. Und der Mond und die Planeten sind blass und stumm."
"Mhm" überlege ich. "Vielleicht sollen wir was spielen?"
"Au ja!" freut sich die Sonne. "Ein Spiel!"
Aber was spielt man mit der Sonne? "Kennst du das: 3 Wünsche hast du frei?"
"Oh ja, das kenn ich. Also: 3 Wünsche hast du frei." Und lächelt dabei ganz unschuldig.
"Donnerwetter!" sag ich und denk: Was hab ich ein Glück!... Als auch schon die dunkle Front aufzieht und ein erster Blitz vom Himmel fährt. Dann Donner, und vom Zentralgestirn ist überhaupt nichts mehr zu sehn.

Was hab ich ein Glück! denk ich, daß das nur ein Spiel ist, und - genau wie meine Kater - räkele mich wohlig in der Sonne. Dabei wollte ich doch eigentlich was ganz andres, was über Mittelpunkt und Perspektive, so richtige Outback-thoughts halt mit richtigem Niewo...

(email an Iris Hoth  Iris' homepage)

14.03.99

Zum hundertsten Male überprüfe ich die Struktur und Rauchentwicklung meines Feuers. Es ist Sonntag, nachmittags. Ich wandere im Garten umher, beweine den schlammigen Lehm, der einst eine wild wuchernde Wiese werden sollte. Der Winter und mein - anscheinend doppelbetatzter - Hund haben jede Hoffnung auf irgendeine Form von Grün auf dieser Fläche zunichte gemacht. Also gehe ich daher und sammele all' die Überreste zerkauter Stöckchen und profunder Knüppel ein, akribisch... jeder Fussel, der dem Boden und den darunter vermuteten Keimlingen und Wurzeln die nährenden Strahlen der Frühlingssonne vorenthalten könnte, wird entfernt und dem Feuer überantwortet.

Hach, Feuer ist geil. Ich sammele jetzt schon auf allen Flächen, die in Winterstürmen und unter Schneelasten von den zahlreichen, herumlungernden Bäumen mit Holzkrams beworfen wurden; gehe meilenweit, um mehr Fraß für mein loderndes Tier zu finden. Ich liebe Feuer. Es geht nur noch um Holz und genug Sauerstoffzufuhr. Kein Gedanke an andere Freuden, geschweige denn an Pflichten; an niemand und nichts, nur an Glut, Wind, Rauch und Asche.

 

22.02.99

'von Kucksiepen nach Krummhörns Kuhlen'

Namen sind Schall und Rauch, so sagt man. Das finden nicht unsere Straßenmeister und Autobahnwarte, die die republikanischen Straßen mit fantasievollen Namen schmücken ... damit man dann auf Schildern lesen kann, was der örtliche Katasterplan so hergab - vom Kucksiepen (W'tal) bis zu Krummhörns Kuhlen (HB), um nur mal auf der A1 zu bleiben.

Aber auch andere Dinge fliegen mich beim Vorbeifliegen an und ich frage mich: Warum muß ich wissen, daß die dreispurige Verkehrsführung über den Gevelsberg genau 8,7 km lang sein wird? Was mag dieses Zusatzschild wohl gekostet haben? Wer genehmigt sowas? Bezahlen, ohne Frage, werde *ich* es, wenn ich das nächste Mal nachts um drei erwischt werde, wenn ich auf einer völlig leeren Autobahn 110 statt der vorgeschriebenen 80 fahre.

Was bringt planende Menschen dazu, Freitag mittags eine Tagesbaustelle zur Ausbesserung von Fahrbahndeckenschäden einzurichten, die eine von zwei Fahrspuren blockiert und innerhalb von 30 Minuten zu einem 8 km langen - stehenden - Stau führt?
Weshalb fährt Freitag morgens durch die 3 Meter breite Straße, die ich entlang *muß*, *immer* ein Fahrzeug der hansestädtischen Müllabfuhr, das alle fünf Meter anhält, obwohl ich zu ganz unterschiedlichen Zeiten diese Straße befahre?

Warum guckte mich der unfreundliche Mann, der in Aussicht stellte, mir zu zeigen "wo der Hammer hängt", mich noch unfreundlicher an, als ich ihn, inspiriert durch den letzten outback-Beitrag, höflich bat, mir diesen Ort sogleich zu zeigen, weil ich 'stets nach Werkzeug suche, wenn ich es brauche' und es sicher gut zu wissen sei, wo eine Reserve zu finden ist.

Ach je, Fragen über Fragen. Wir alle kennen die Antworten, doch fallen sie uns nicht ein, wenn wir meinen, sie brauchen zu können.

Jörg.

ca. 12.02.99

Nachtgedanken.....

Bei Nachtgedanken muß ich immer und unwiederruflich an die vielen, endlosen Nächte denken, als es nur 3 Programme im deutschen Fernsehen gab. Ich denke dabei immer an die Haarsträhne über Kuli's rechtem Ohr, die jedesmal nach oben und zur Seite abstand, wenn er sich am Ende seiner Nachtgedanken, mit ernstem, nachdenklichem Blick, die Brille abnahm und sich damit seiner wenigen Zuhörer /-schauer entledigte. Schon damals sah ich immer das Gesicht des Maskenbildners vor mir. Heute drängt sich mir die Frage auf, ob er die 327 Folgen ohne Therapie überstanden hat und ob er dann doch später einen Beruf gefunden hat ( der seinen Fähigkeiten eher entspricht ), wie z.B. Karussell-Bremser, im Wachdienst, oder als Pförtner....

...auch in dieser so seltsamen Nacht, gibt es wieder diese beiden Fragen, die ich unbedingt noch geklärt haben möchte, bevor ich unspektakulär abtrete.
Die Erste: Wo holt Barthel eigentlich den Most?
Die Zweite: Warum macht Safran den Kuchen gel?

...ach ja, und sollte ich das wirklich glauben, was ich soeben im Radio hörte?
Daß ein paar Physiker behaupten, daß es in der gesammten Geschichte der Erde nicht einmal vorgekommen sei, daß es zwei völlig identische Schneeflocken gegeben hätte, die vom Himmel gefallen sind!

......schon mal was von Zwillingen gehört???

(Hilde Bond)

09.02.99

Übersetzung: "outback thoughts. Ein Bild: "Beng - WELTWEIT. Liebe: für mich und meine Albernheiten. ? ! Schnee + Eis: Unruhe, Angst. Autofahren bei dem Wetter: Das Führen eines "Lichtschwertes" mit verbundenen Augen. "Möge die Macht mit dir sein." Zeit: Die Schwester der Vorsicht, die böse Stiefmutter der Ungeduld. Betty Blue: Johanniskraut + Lebertran, die gingen in den Wald... Papamamawinterreifenbrabbelnbismanschläft.

Wenn man mit dem Zeigegerät über das Gekritzel fährt, kann man noch dies und jenes entdecken. Dieser Beitrag stammt von Sandi Hüdo.

24.01.99

Heute nachmittag las ich irgendwo diese lakonische Bemerkung, Montage seien das schlimmste Siebtel des Lebens. Morgen wird es wieder soweit sein, ein weiteres dieser Siebtel mit einer ordentlichen Tasse Kaffee gegen "07:00h nachts" anzugehen. Sei's drum.
Aber welcher Art sind eigentlich diese halbwinterlichen Sonntagnachmittage, wie es heute einer ist? Paradox, in dieser
selbstgewollten Gedankenlosigkeit aus dem Fenster in den Park gegenüber zu schauen, sich zu ärgern, daß irgendein Baum es wahrscheinlich war, der seltsame, schwarze Schmutzspuren auf meinem weißen Auto hinterlassen hat, was mir aber erst nach der gestrigen, sehr notwendigen Wäsche meines edlen Fortbewegungsmittels optisch gegenwärtig wurde.
Zwischendurch Wortfetzen aus dem Fernseher: 'Leihen Sie mir bitte Ihr Gehör' (nur gegen Quittung), oder die zwei  Schüler, die sich mit der Diskussion über Sex mit der Englischlehrerin den Tag verderben.    
Es ist einer dieser kalten, halbdunklen Tage, und die Gedanken manifestieren sich in Ihrer reinen, wortlosen Existenz. Was sind also Gedanken, wenn sie verbal nicht auszumachen sind? Nervenzellen, in einem mehr oder weniger elektrisch messbaren Reizzustand? Einer inneren Stimme nach vernehme ich voll demütiger Überraschung, daß ich doch gerade meine völlige Gedankenlosigkeit auf dem Bildschirm vor mir in deutlich lesbaren Lettern definiere. Mit Dankbarkeit verneige ich mich vor mir selbst für diese bare Erkenntnis. Was die Frage nach dem Charakter dieses heutigen Sonntagnachmittags angeht, so ist sie angedeutet beantwortet, denke ich, oder nicht?
Mittlerweile ist es deutlich dunkel geworden.

(Paul Bohne)

 

NACHTNOTIZ

Eine - wie ich sie seit eben so schön definieren kann - Nachtnotiz verselbständigte sich in meinem tagaktiven (hier sollten endlich auch einmal Unterscheidungskriterien eingeführt werden; aber genau dieses wollen wir hier ja auch erstmalig näher be/durch/und/ausleuchten) Unterbewußtsein...
Unlängst war ich des Nächtens dazu gezwungen, mich mit dem Thema Abschied zu beschäftigen. Da es sich bildlich häufig schöner und effizienter denken läßt, erschien vor meinem inneren Auge, der speziellen Abschiedsthematik in jener Nacht angemessen, ein rechtschaffen anmutendes Stück gemeines, weißes Kopierpapier, Handelsnorm DinA4, mit mittig zentriertem Auf Wiedersehen (14pkt.allerdings, ansonsten identisches Gedankenzitat). Sofort meldete die Hirnpolizei, Abteilung "radikales Denken", Defcon 4: Wütend drang ein "Nein, eben nicht 'Auf Wiedersehen'" durch die internen Lautsprecher. Genervt begann ich, den Neuro-Thesaurus nach treffenderen Abschieds- und Finaläußerungen zu durchforsten: Tchüss; Ciao; mach´s gut (b: nee, mach gar nichts mehr - und wenn, dann schlecht!); wir sehen uns (b: ja, das leider); Bye (b: zu sehr Sinatra); auf dann (b: immerhin sarkastisch); bis die Tage (b: dito); fuck you (b: ich bin doch kein Spicegirl); das war's dann (b: nur für Plakativromantiker); Aus (b: hier fehlt leider der Dialogaspekt)
... Irgendwann wollte mein Leib dann doch den vorher verschmähten Schlaf; also nahm ich den Kopf wieder aus dem Regal, setzte ihn auf den unwilligen Körper und schlief uneins mit dem menschlichen Universum ein. Die bildliche Vorstellung eines Reißwolfs übte hierbei immerhin einen gewissen Placeboeffekt aus. Seitdem fragt es mich unentwegt, wie man sich denn nun angemessen, innerlich und bildhaft, aber ungemalt, verabschiedet, und dieses in wenigen Worten? Sollte der Patientin bis hierhin jemand gefolgt sein, so erbittet sie umgehend kreative, treffsichere Gedankenbilder für Nächte wie diese.

biest, 18.01.99

 

Hallo Leidensgenossen! Schon mal *nachts* gedacht über das Denken?
Dabei kommt dann sowas hier raus:

NachtNotiz

In der Nacht sind alle Katzen grau. Düfte lau.
In der Nacht sind die Gedanken träge. Dunkle Wege. Träume rege!
In der Nacht sind alle Lüfte kühl. Liebe schwül. Viel Gefühl.

Nachts sind Lichter nicht entfernt. Wenig lärmt. Menschlein schwärmt.
Nächtens wacht, wer müd' am Tage. Manche Frage auf Goldwaage.
Nächtlich Denken macht viel klar, was am Tage trübe war.

Nachts gedacht und tags gemacht, hat Erstaunen schon gebracht,
wenn sich die, die Nachts nicht wachen, tags nur die Gedanken machen.

Alle Wünsche, klar und hell, landen sanft und strahlen grell.

Allein, die Tat, das ist gewiß, ist auch Tagwerk; und Hindernis
auf dem Weg ins Land der Träume.

Gern ich wohl den Tag versäume!

Jörg. E-Mail an Jörg. 14.01.99 (nachts)

 

14.01.99

Ist Ihnen das auch schon mal passiert, daß Sie die ganze, verdammte Nacht lang Musik in Ihrem Kopf dudeln hörten? Erst alle Lieblingsplatten, alle Titel in korrekter Reihenfolge; dann noch ein paar Songs aus dem Radio, darunter leider auch Interpreten aus der "Top Ten". Nach diesem Präludium scheint sich der vermaledeite Schädel nur noch auf zwei bis drei ganz bestimmte Lieder konzentrieren zu wollen, die er stundenlang immer wieder abnudelt. Im Halbschlaf wird man zum Country-Sänger, sitzt auf einem unbequemen Hocker auf einer Bühne in einer Truckerkneipe, die Guitarre umgehängt und besingt sein Leben auf einem blonden, grünäugigen Gaul. Dieser Tarantino hatte schon immer eine psychedelische Wirkung auf mich, aber als ich plötzlich zur vollbusigen, farbigen Stewardess um die 40 mutierte, die sich mit einem frustrierenden Dasein im Knast konfrontiert sieht, floh ich zu Tom Jones und verwandelte mich in eines dieser putzigen Tierchen, die nach der Mars-Attacke nichts lieber taten, als alles für nicht ungewöhnlich zu halten.

Beim Aufhängen neuer Meisenringe, heute morgen um halbsechs, während ich "What's New Pussycat" vor mich hin summte, fiel mir ein, daß ich mal etwas über solche Phänomene gelesen hatte. Der Speicher und Generator von Musik liegt im menschlichen Gehirn demnach in den Schläfenlappen. Ein großer Komponist hatte einen losen Knochensplitter (o. äh.) im Bereich eines Schläfenlappens. Wenn er seinen Kopf auf die entsprechende Seite bettete, drückte dieser Splitter neue, so noch nicht gekannte Melodien hervor, weshalb der große Komponist (ich glaube, es ging um Shostakovich) auch ein großer Komponist war und auf eine operative Entfernung verzichtete. Wenn er nicht komponieren wollte, schlief er auf der anderen Seite. Ach ja, jetzt erinnere ich mich auch, wo ich das gelesen habe: in einer Sammlung sehr ansprechend erzählter Krankenberichte des Neurologen Oliver Sacks.

Vielleicht sollte ich künftig auf Alkohol in Kombination mit Koffein am Abend verzichten; oder auf dem Rücken schlafen.

(Sandi Hüdo)

07.01.99

Ich, die allmächtige Hostess dieses Projekts zur Gedankenlosigkeitswiderlegung, habe mich entschlossen, eine neue, putzige Rubrik einzuführen: Den outback talk, Fetzen aus schriftlichen Konversationen (egal, ob snail- oder e-mail), die nicht eines gewissen Esprit (wo bleibt hier der teutsche Genitief?) und einer vagen Themenbezogenheit (zum Thema Ungedachte Gedanken) entbehren. Lest also den zweiten Beitrag (denn die "kleine Diskussion über das Denken in seiner...", weiter unten, gehört ja wohl auch schon hierhin):

Auszug aus einer Diskussion über "paranormale Einwände" zwischen Iris Hoth und Sandi Hüdo:

Hüdo: Ich tummele mich gerade auf Deiner homepage, lese Deine (sehr ansprechend geschriebene) Fotografen-Vita und stolpere uber das Wort "Paranormaleinwand". Hä? Was'n das? Eine paranormale Leinwand; nein, nach näherer Betrachtung muß es sich um einen "paranormalen Einwand" handeln. Ein kurzer Blick aus dem Fenster auf den umschwärmten Meisenring hilft: Da steht PANORAMALEINWAND. Obwohl Du nichts fur meine Lese-Kapriolen kannst (und ich noch nicht EIN Foto angeschaut habe), bin ich höchst begeistert von Deiner Seite ;))). S.

Hoth: Eine paranormale Leinwand, ja, vielleicht ist es eine virtuelle Leinwand? So eine, die vor'm inneren geistigen Auge ihre Pracht entfaltet...
Glaub mir, ich kenn' das gut: Geistig virtuell bin ich eine begnadete Malerin... nur meine Hände stellen sich so dumm an - dann beim Umgang mit Pinsel, Farbe, Stift..... :-)

Aber dem läßt sich noch mehr abgewinnen. Paranormal, wie sie nun mal ist, die Leinwand, entführt sie den Betrachter in paralelle Universen. Wer wollte bestreiten, daß es so viele Universen wie Menschen gibt. Erst letzte Nacht (Du weißt schon: Sylvester, umzingelt von Menschen, die man gar nicht kennt, lauschen und erstaunen) habe ich wieder diese Erfahrung gemacht. Sitze im Parakreis mir fremder Menschen - worüber reden die? Meine Nachfrage ergibt: Es handelt sich nicht um Orte schwarzer oder weißer Messen, auch nicht um Priesterweihen, nicht um Kult- und Wallfahrtsstätten, nein... sie reden ueber FERNSEHEN! "Aha" denke ich, ohne wirklich klüger zu sein - und wieder einmal hat mein Universum das anderer Menschen geschrammt... *uff* - das war haarscharf, ist gerade noch mal gut gegangen, die Universen sind keine Symbiose eingegangen, nicht mal eine Schnittstelle haben sie gebildet... und jedes für sich driftet unbeschadet in die eigene Wirklichkeit zurück.

Wer gerne Iris' homepage sehen möchte: hotHspot

 

 

03.01.1999.

Na sowas. Gerade eben dachte ich noch 'Mensch, komisch, daß Dir solange nichts zu den outbacks eingefallen ist', da hatte ich auch schon ein leeres (virtuelles) Blatt vor mir. Danach dachte ich darüber nach, wie wichtig es mir ist, daß ich diesen Eintrag in 'Courier New' vornehme. Warum, weiß ich auch nicht. Vielleicht kann es mir ja ein anderer erklären. Courier New ist eine sehr geeignete Schriftart, wenn man sie mag. Fast jeder hat sie und so kann man sicher sein, daß das Geschriebene so auf dem Bildschirm des Lesers auftaucht, wie man sich das gedacht hat. Wenn man sich was dabei gedacht hat, was ja gar nicht so selbstverständlich ist, zumeist. Nicht, daß es wichtig wäre, welche Schriftart das jetzt ist, oder daß Ihr jetzt irgendetwas Spektakuläres im Layout zu erwarten hättet, nein. Nur so.

Da hat mir eine Freundin ein Gedicht über Krähen geschickt, - das heißt, sie hat es mir gar nicht geschickt, sie hat mir nur den Link zu diesem Gedicht geschickt - es ist auch nicht eigentlich ein 'Gedicht', dieses Wort würde dem Werk nicht ohne weitere Erläuterung gerecht werden, es ist mehr ein Opus in Versform (sind Open nicht immer in Versform, wie lautet die Mehrzahl von 'Opus' ('Opis' höre ich meinen kleinen Mann im Ohr sagen, aber der Idiot meint nur die Mehrzahl von 'Opa', also keine Hilfe)? - da sehe ich, daß ich die Mehrzahl von 'Opus' ja gar nicht brauche, weil ich ja nur sagen wollte, was vor der ersten gesetzten Klammer dieses Absatzes steht, und dazu braucht's nunmal nur den Singular) - ein Opus in Versform also, das (wird auch nach der Rechtschreibreform mit einfachem 's' geschrieben und wäre anders geschrieben nicht nur ein Rechts-, sondern auch ein Linksschreibfehler) - das so lang ist, daß (gemerkt?) ich es immer noch nicht ganz durchgelesen habe. Also, durchgelesen schon, aber nicht in der Form durchgelesen, daß (!) ich es auch hätte begreifen können. Ja, es ist eines dieser Open (Falle gestellt, selbst reingelaufen, Idiot!), es ist eines jener Werke, die so ohne weiteres (kann auch groß geschrieben werden, muß aber nicht, ist könßtleriche Froihoit), die so ohne weiteres nicht im ersten Anlauf zu erfassen sind. So habe ich also zwar den ersten Anlauf hinter mir, nicht aber den 'Verständnislauf'. Für den erfordert es Mut und innere Sammlung.
Und denkt jetzt bloß nicht, ich würde Euch den Link verraten! Das ist mein Link.

Andere Frage: Warum trinkt eine Frau morgens zwischen Aufstehen und Frühstück (welches (um 'das' zu vermeiden, wurde hier das Wort 'welches' gewählt, nicht etwa aus Gedankenlosigkeit) meist ausfällt) - warum trinkt eine Frau also nach dem Aufstehen verdünnten Apfelessig (ja,ich weiß, es ist schwer zu glauben - ich schreibe es nochmal, um Mißverständnisse zu vermeiden: A p f e l e s s i g, verdünnt) - warum trinkt sie den und erwartet dennoch, einen herzigen und ehrlich gmeinten Gutenmorgenkuß ihres Ehegatten erwarten zu können? Das ist, das ist, das ist einfach nicht mit Worten zu bewerten. Kein Wunder, daß das (oha!) Frühstück ausfällt, oder?

Im rheinischen Industriemuseum in Oberhausen ist eine Maus-Ausstellung, wollte ich noch sagen. Zufall ist, daß man bei diesem Satz sofort eine Versbildung versuchen möchte, angesichts dieser heftigen Aliterationen - Maus, Aus, Oberhaus.
Jetzt sofort Schluß, sonst wird mir der Platz gestrichen hier.

Jörg. (oder H.Finch oder Hüper oder wie sie mich sonst nennt)

Eine kleine Diskussion über das Denken in seiner An-und-für-sichlichkeit zwischen Hüdo und Hyper Finch

Hyper Finch: "Spricht die Seele, spricht, ach, die Seele schon nicht mehr" (Schiller)

Hüdo: Schweigt sie, stirbt sie. (Hüdo)

H.Finch: Unsinn.

Gemeint ist, meiner Überzeugung nach, die Problematik, die sich einstellt, wenn man "in sich hineinhorchen will", um einen neuen Beitrag zu outback zu verfassen: in dem Moment, in dem man meint, erkennen zu können, was man denkt, wenn man nichts denkt, überlagern schon wieder neue Gedanken den gedankenlosen Zustand.

Das heißt aber nicht, daß die Seele nicht mehr spräche - man kann es nur nicht hören. 

Hüdo: Also, ich vermute dahinter eher die Unfähigkeit, Gefühle in Worte zu fassen: Sobald man sie ausspricht, ist ihre 'Unschuld' dahin, ihre Wahrheit verfremdet, da sowohl unsere verbalen Kommunikationsmöglichkeiten hierfür beschränkt sind, als auch die Aufarbeitung von Gefühltem durch den Intellekt (und seine Ressentiments) beeinflußt wird. Dennoch, spricht man nicht aus, wird man an sich selbst ersticken.

Nichtsdestotrotz ist es durchaus gewünscht, wenn sich aus eingefangenen Zufallsgedanken bewußt gemachte Überlegungen ergeben, die ihrerseits wiederum zu unerwarteten Assoziationen führen... usw. Das Schwierigste ist wohl, diszipliniert zu schreiben, während man undiszipliniert denkt.

 

01.01.99

Es ist schwer, sich mit der Menschheit anzufreunden. Auf der Suche nach den "Leuten wie du und ich" begegne ich ständig absoluten Arschlöchern, die sich über bellende Hunde aufregen und Rattenlöcher vor der Haustür als "Mitbewohner" deklarieren; die sich gern mit "exotischen" Halb-Japanern unterhalten (si, das bin ich nämmich) und im selben Gespräch über die "Jugoslawen" nebenan herziehen; die sonntags in die Kirche gehen und alltags auf "das Asylantenpack" schimpfen. Aaaargh! Reicht mir eine Uzi! Ich hasse das!!! Nein. Reicht mir keine Uzi. Laßt mich allein in meinem tiefschürfenden Unglück. Ich habe alles. Ich wohne am Rand der Welt, in einem Einzelhaus. Ich kann soviele Gäste, schwarz und weiß, haben, wie ich will. Und laute Musik kann ich machen. Ich kann den ganzen Tag über das Geld nachdenken, das ich brauche, um mir ein schöneres Motorrad zu kaufen. Ich gehöre nicht zu "denen", obwohl ich es immer wollte. Vorhin habe ich einen Artikel über einen Regisseur gelesen, in dem er gefragt wurde: "Sind Sie ein Relikt im modernen Filmgeschäft?", bloß, weil er Filme über arme Wichte und Asoziale dreht. Bei so einer Frage hätte ich wortlos den Raum verlassen. Wenn ich reich wäre und die anderen arm, und ich würde Filme über sie machen, wäre ich garantiert ein Unikum im modernen Filmgeschäft. Was für eine bescheuerte Frage! Ach... Grummel...

(la Bond herself)

27.12.98

Im Winter ist es schon früh dunkel. Aber nur hier, ob es woanders früh
dunkel ist, weiß ich nicht, weil ich bin ja hier - und nicht woanders.
Aber ich bin davon überzeugt, daß es irgendwo woanders gerade nicht
dunkel ist. Also ist die Aussage, daß es im Winter früh dunkel ist, nur
relativ. Selbst wenn die Aussage stimmt, hängt sie doch davon ab, ob es
Winter ist. In Südamerika ist jetzt Sommer, also kann es da nicht früh
dunkel sein, jedenfalls nicht jetzt. Aber ich bin gerade nicht in
Südamerika, deshalb kann meine letzte Aussage nur als Zitat dessen
gelesen werden, was mir neulich jemand am Telefon sagte. Sofern mir
nicht die Wahrheit gesagt wurde, könnte es jetzt natürlich auch in
Südamerika früh dunkel sein, obwohl dort gerade Sommer ist.
Es könnte dort natürlich lange hell sein, obwohl gerade Winter ist.
Das frühe Dunkelsein in Südamerika hängt also davon ab, ob es gerade
nicht Sommer ist. Da aber dort gerade Sommer ist, ist es wahrscheinlich
gerade jetzt noch nicht dunkel, es sei denn, Du - lieber Leser - liest
dies hier gerade dann, wenn Du Dich nicht in Südamerika befindest,
sondern da, wo gerade Sommer ist.

(Paul Bohne)

Kurze SeinsZäsur

Engelsgleich schweben Töne durch den Raum.
Umhüllen die Zeit mit sanftem Tuch.
Auf dem Bett liegend
treibst du,
still glühend,
sei-end,
dahin im verschleierten
Sog des Lebens.

01/02/98 (Eintrag vom 29.12.98 von FRIEDEN)

 

JOTELs Gedanken zum Denken:

 

Manchmal soll man etwas sagen und weiß nicht, was.
Manchmal sagt man etwas und weiß nicht, was man sagt.
Nichts zu sagen aber heißt, daß Leben aufzugeben.
Also sagt das, was Ihr denkt,
und macht Euch Gedanken über das, was Andere sagen.

 

(23.12.98)

 

29.12.98

Während ich überlege, was ich auf Jotels weisen Spruch erwidern kann, funkt mir immer wieder der ungewollte Gedanke auf, ob "Andere" in diesem Fall klein oder groß geschrieben wird. Dabei wollte ich eigentlich über meinen Vater nachdenken, der mir die Fähigkeit, nichts oder zuviel zu sagen, vererbt hat.

Mein Vater wohnt übrigens in Australien, an der Westküste, wo Haie und Delphine der Menschheit begegnen. Ich habe meinem Vater gesagt: Ich denke, ich möchte hier leben. Hier ist das Formular für deine Bürgschaft für mich, bitte unterschreiben. Mein Vater sagte daraufhin: Nein. Und führte diverse Gründe dafür auf, warum er dagegen sei. Ich machte mir daraufhin folgende Gedanken: Dann bleib doch allein in diesem gottverlassenen Kaff am Arsch der Welt, wer will hier schon wohnen, war sowieso 'ne Schnapsidee, du hast mir ja noch nie gern einen Gefallen getan, ich komm schon irgendwie hier hin, auch ohne dich, du... du... Doofmann. (Ich kann ja nicht Arschloch zu meinem Vater sagen; auch nicht in Gedanken. Das macht man doch nicht. Außerdem bin ich katholisch. Und bürgertümlich gebildet.)
Auf jeden Fall hab ich's nie ausgesprochen. Und lebe noch.

(Susie Bond)

19.12.98

Den ganzen Tag bin ich nun mit Pauls Ei schwanger gegangen. (Hm, eine vielleicht etwas unglückliche Formulierung?) Ich dachte an Reis mit rohem, geschlagenem Ei (armer Paul...) mit Sojasauce und Ölsardinen (kein Schierlingsbecher, sondern eine japanische Kleinigkeit); an Ostern, schlechtes Make-Up und Lenor (weiß der Geier, wie das Lenor dazwischen geraten ist). Schließlich landete ich bei Spaghetti mit einem Hauch Bolognese, vorhin um 23 Uhr. Mein Gemahl liebt sie "al dente", ich ziehe die labbrige Variante vor. Also verbrühte ich mir die Finger, um 4/5 der Miracoli-2-Portionen-Nudeln zuvörderst ins Sieb zu schütten, um - eine Minute später - den Rest vom Topfboden abzukratzen. Hatte das Wasser vergessen.

Mein damaliger Lebensabschnittsgefährte T. bevorzugte Miracoli in maximal 3 cm langen Nudelstückchen, Soße und Käse fertig drunter gerührt. Er ist wahrscheinlich recht glücklich über die neueste "5-Minuten-alles-drin-fertig"-Variante. Ich hatte, glaube ich, nur einen einzigen Liebhaber, der sich bereit fand, ohne Aufforderung selbst Miracoli zu kochen. Allerdings konnte er auch nur dieses eine Gericht.

Eine Zeit lang war Miracoli verpönt. Wir kochten nur original und mit großem Aufwand: Frische Kräuter, eine Batterie an Gewürzen im Küchenregal, handgepreßtes, ja beinahe mundgeklöppeltes Tomatenmark, Olivenöl für 30 Mark die Flasche. Schmeckte leider nicht annähernd so gut, wie Miracoli und seine Zauber-Gewürzmischung.

Was haben die eigentlich zu Schillers Zeiten gegessen?

18.12.98

Ich stelle mir gerade vor, ich sei ein Ei. In einer Pappschachtel in einem Supermarkt in einer großen deutschen Stadt. Ein Nest habe ich nie gesehen, obwohl das Türschild auf meiner Schachtel aussagt, ich sei in 'Biohaltung' erzeugt. Etikettenschwindel, das. Könnte ich meine Mutter nur fragen, was Biohaltung ist. Man gab mir kürzlich ihre neue Adresse: Irgendwas war da mit 'Wienerwald', aha dachte ich, sie sprach immer von den schönen Wiesen in den Alpen. - Ach, Mutti....!
Irgendwann wird die Sendung MONITOR dahinterkommen, was mit Mutti war... Aber bis dann bin ich so ausgekocht, daß ich auf einem Frühstückstisch eines Morgens den hemmungslos klopfenden Löffel auf meiner Kalkhaut zu spüren bekomme und dann endlich mein Haltbarkeitsdatum erfüllen kann.
Dabei hatten wir so eine nette Zeit in unserer Zehnerpackung: Ludwig, der langhaarige Zottel, Werner, der immer so gerne Motorrad fuhr, und Gerdi, ... ach, sie hatte immer so einen Hang zum Treppenhausplausch. Rupert war Alkoholiker, aber man konnte ihm nichts anhaben, wenn er nüchtern war, konnte er eine Fernsehshow moderieren, so einen Charme hatte der. Und Trudi, mannstoll wie ein Blumentopf, aber immer schlecht geschminkt, besonders zu Ostern.  Und all' die anderen. Wir waren schon eine nette Runde, Kameradschaft wurde groß geschrieben, ein Ei für das andere. Hoffentlich haben wir noch ein paar Tage, um uns hier, in unserer Pappschachtel ein wenig zu amüsieren über die Menschen, die einkaufen, aber im Grunde nichts anderes sind als wir, nämlich Eier mit Beinen - aus biologischer Haltung.

Mutti ???        (Paul Bohne)

13.12.98

So'n Scheiß.

Woher soll ich wissen, was ich denke, wenn ich nichts denke? Ich denke doch eben *nichts*. Wenn ich während des *nichts*-denkens daran denken müssen würde, woran ich itzo dächte, dächte ich doch an etwas und eben nicht mehr an *nichts*.

Weil ich kein bezahlter Philosoph bin, der Geld dafür bekommt, den Inhalt seines kranken Hirnes zu veröffentlichen und sich dann zu Hause vor dem Kamin vor lauter Hohn und Spott selbstbefriedigt, daß es Leute gibt, die ihm für diesen Mist Geld bezahlen, weil ich so einer also nicht bin, werde ich den Gedanken des ersten Absatzes nicht weiterführen. Das überlasse ich Herrn Walser, der dann eine Rede darüber halten kann, was bei einer Rede herauskommt, während der man *nicht nachdenkt*. Bubi Bubis kann dann darauf antworten, er hielte jeden für einen *geistigen Brandstifter*, der nicht nachdenke, obwohl doch die Farbe des Einbandes seines Reisepasses ihn geradezu zum ständigen Grübeln *verpflichte*!

Ich bin also auf der Autobahn. Heute um halb 2. Die Autobahn ist leer. Und dreispurig. Leer und dreispurig und gerade. Was denkt man auf einer leeren, geraden, dreispurigen Autobahn am Sonntagmittag um halb 2? *Warum fährt die Kiste nur 170?*
Die Schilder tauchen auf, auf denen die Zahl 120 in einem rotberänderten kreisrunden weißen Feld zu bewundern ist (wenn man nicht zu schnell fährt, um die Zahl lesen zu können). Ich weiß noch, ich denke *na, das gilt aber nicht am Sonntagmittag, wenn die Bahn so leer ist wie jetzt*, da fällt mir ein güldener Audi mit Kennzeichen eines Nachbarkreises auf (es war *RZ* für *Ratzeburg*), der langsam aufholt. *Holla*, so denke ich, weil ich gerade in Spanien war und die deutschen Touristen sich dort gegenseitig mit 'Olà' begrüßen, was auf Spanisch 'Hallo' heißt, *Holla*, denke ich also, *ein Sinnes- genosse, den lasse ich mal vorbei*. Da ohnehin gerade die Ausfahrt kommt, die ich gut kenne, setze ich abrupt mit 140 in diese Ausfahrt und bin sehr erstaunt, daß der güldene RZ-Audi sich geradeso hinter mir noch in die Ausfahrt quetscht, ohne sich zu überschlagen.
Stressfrei gebe ich ordentlich Gas, um die grüne Ampel am Ende der Ausfahrt nicht zu verpassen, als mir hinter der Windschutzscheibe des RZ-Audi's (*Holla!*) eine rote Leuchtschrift auffällt, die in meine Richtung leuchtschriftet ('Halt! UnddanneinwortmitPamanfangdassichnichtlesenkonnte') Ich denke noch *was sind das bloß für Idioten, die ihren Hals riskieren, nur um Dir ihre blöde Leuchtschrift zeigen zu können*, als der RZ-Audi rechts neben mich fährt, und mir etwas zeigt, von dem ich weiß, daß es Eingeweihte als "Anhaltestab" bezeichnen, weil es die korrekte Versorgungsartikel- bezeichnung für dieses Utensil ist. Normale Menschen würden es wahrscheinlich einfach als "Kelle" bezeichnen, auch wenn das Suppeschöpfen damit ziemlich langwierig sein dürfte, und sich einen "Anhaltestab als etwas langes mit Batterien und goldener Spitze vorstellen, das bestimmte andere Leute dazu zwingt, sofort anzuhalten und sich damit zu beschäftigen.
Kurz und knapp, demnächst werde ich also vier Wochen nicht Autofahren dürfen, obwohl das doch zur Zeit mein Beruf ist und ich 4000 km in der Woche fahre. Wahrscheinlich werden mir dann so viele "ich denke an nichts"-Gedanken durch den Kopf gehen, daß unsere Freundin whotheheckissusiebond einen neuen Provider-Vertrag braucht, weil ihr webspace alle ist.... (Hyperfinch)

 

12.12.98

Natürlich fragt sich jetzt alles, Who the heck is Schneuf??

Schneuf ist keine geringere als meine Hündin, die sich kürzlich mit einer derartigen Eleganz im Bad auf den Rücken warf (als ich sie aufforderte, in die Badewanne zu springen), daß ich ihr keinen Wunsch (nämlich just den, NICHT in diese Badewanne springen zu müssen) abschlagen konnte. Der Hund wird also für weitere Wochen vor sich hinstinken; bis mich sein strenges Parfum erneut an diese Maßnahme denken läßt. Um aber auf den Fall "Schneuf" zurückzukommen, hier erbot sich die Gelegenheit, meinem Hund eine eigene E-Mail-Adresse einzurichten. Diese Adresse bittet einfach nur um Nachsicht und Zuwendung. Was auch immer für eine Nachricht über diese Adresse kommen mag, sie verlangt äußerste Sensibilität und Anteilnahme.

Vögel zwitschern, Flöten geigen; Supertramp erzählen mir was von den stillsten Momenten, und ich habe eines der Biere in Arbeit, das nicht mehr zählbar ist.

Meine Outback-thoughts drehen sich heute um Freunde: Alte Freunde, vergessene (die heute seltsamerweise wieder an die Oberfläche kommen - wie fauliges Holz in einem Moor...), verdrängte (bei denen ich erstmal überlegen muß, warum ich sie verdrängt hatte), vernachlässigte (liebgewonnene Recken im Kampf ums Leben, die ich immer noch in Ohio wähne oder einfach 2 Jahre lang nicht angerufen habe).

Was also kann ich darüber sagen? Oder über Schneuf? Oder über die schlaffen Fritten, die gelangweilt in ihrer Plastikwohnung vor sich hinvegetieren? Oder über Susie Bond?

 

07.12.98

Ich weiß jetzt nicht, wo dieser Beitrag landet, ich bin auch nicht gefragt worden, wer dieser schneuf@... (?) ist. Die Frage, die allen Schneufs - ich denke, ich bin auch einer, egal, was diese Definition jemals menschlich verwertbar heraustellen wird - gestellt wurde ist wohl
die, wessen Hecke  Susiebond jetzt hudert ??????  (Huse Heck is Susie B., oder wie war das)? Oder, welchen Teil Susie Bond in unserem (derer der gefragten Schneufs) Leben einnimmt.
Für meinen Teil darf ich diese Frage dahingehend fürs erste so beantworten: Es gab mal eine Zeit, zu der meine letzte Gehirnzelle schon bedrohlich im Sterben lag und ich nichts besseres zu tun hatte, als nachts mit wildfremden Menschen über in Blumentöpfe kackende Katzen zu diskutieren. Oder andere Dinge, die so belanglos waren, daß  meine sterbende Gehirnzelle und ich uns nicht mal 24 Stunden später erinnern konnten. An die in kommunikativer Agonie dargebrachten, der menschlichen Sprache mit viel Phantasie durchaus als "Wortäußerungen" definierbaren Laute.
Schließlich bewarf sie (Susie) mich mit Salat. Dies war ein Ereignis, dessen ich mich heute noch gerne erinnere. Es war damals der Beginn einer wunderbaren Zeit, auch wenn dies nicht unbedingt immer mit Susie direkt zu tun hatte, aber doch hinundwieder und dann sehr gerne. Heute hat sich viel geändert, meiner Gehirnzelle geht es wieder besser, auch
wenn sie viele Dinge nicht verstanden hat, die in ihr Zimmer getragen wurden.
War wohl besser so.
Hat jemand 'nen Keks ? (Paul Bohne)

 

06.12.98

Es ist nicht zu glauben. Am Wochenende habe ich doch tatsächlich einen längst abgelegten Lover in einem winzigen Kaff nahe der niederländischen Grenze in einem Getränkemarkt.... beinahe getroffen. Beinahe soll heißen: Ich war unterwegs in Sachen Promotion und Bier-Verkauf, ausgestattet mit Schirmmütze und passender Jacke - und passenden Flaschen, als ich einen Kunden beobachtete, der sein Leergut abgeben wollte. Er stand halb abgewandt von mir, harrte der Quittung, die er für seine hohle Fracht bekommen sollte; ich dachte so bei mir: Der sieht dem H., den ich einstmals liebte und dann nicht mehr, recht ähnlich. Der kurze Hals; die Frisur; die anorakige Lederjacke; die kreppsohligen Schuhe...

Er hob seinen Blick, um der Kassiererin mitteilen zu können, was und wieviel er anzubieten hätte, und ich sah, daß es sich tatsächlich um meinen verflossenen Liebhaber handelte!

Was - um Himmels willen - hatte DER hier zu suchen?? Immerhin handelt es sich um einen angesehen Forscher und Lehrer der mediavistischen Historie! Zuletzt gesehen in Hamburg! Und nun hier, in einem 2.000-Seelen-Dorf nahe der niederländischen Grenze...

 

Egal. Ich war verdutzt und bin es noch. Ich gestehe, ich war zu feige, um der Konfrontation offen ins Auge zu sehen. Ich bin geflohen, wie ich es so oft tue. Ich bin zur Hintertür raus, hin zu meinem Wagen auf dem Parkplatz, reingeklettert, angelassen, auf einen anderen Park-Platz gefahren. Ich hatte Angst, diesem alten Gespenst noch einmal zu begegnen. Shame on me.

26.11.98

Innerhalb der letzten 20 Minuten habe ich 200g Frühlingsquark ohne störende Beilagen verzehrt, eine Flasche Bier getrunken, 3 Zigaretten geraucht (die 4. ist gerade in Arbeit) und ca. zwei Sechstel einer neuen Seite in meinem Heimatseiten-Mikrokosmos entworfen. Oder sagen wir lieber, ein Sechstel. Und jetzt überlege ich, ob ich nicht doch lieber noch ein bißchen Civilization II spielen soll, bevor mein rühriger Gemahl den Platz am Elektroknecht nach des Tages Mühen einnehmen wollen wird.

Ein Tag, der in bestimmte Abschnitte unterteilt ist, erleichtert einem die Entscheidung ungemein; ein Hund z.B. läßt keinerlei Deutungen über die Priorität seiner Futterzeiten zu. Desgleichen die Verdauung, Hygiene und Einnahme diverser, lebens... verlängernder? -verkürzender? auf jeden Fall -beeinflussender Pillen und Flüssigkeiten (man könnte das ja einteilen in morgendliche und abendliche Einnahme, wobei morgens das Leben um den Zeitraum verlängert werden soll, den man sich abends raubt). An Tagen, an denen ich nicht an meinem PC arbeite, sitze ich woanders und arbeite dort am PC. Solche Tage sind noch unkomplizierter, da ich dann nicht überlegen muß, ob ich lieber die Wäsche aufhänge (als könnte man da von "lieber" sprechen), oder die Blumen gieße, einfach wegen der Entfernung zwischen woanders und zuhause. Die Tage, die ich zuhause verbringen kann, sind demnach (nach Erledigung der Ausscheidungen und Einnahmen) gespickt mit Nervosität und qualvoller Wahl. Vielleicht sollte ich weniger... irgendwas weniger tun. Zeitschriften weniger kaufen wäre eine echte Maßnahme. Das würde mich davon abhalten, ständig mit schlechtem Gewissen an dem Berg ungelesener Lektüre in Bad, Wohn- und Schlafzimmer vorbeizulaufen. Oder über die wartenden Leseberge nachzudenken, während ich eine Webseite zu erstellen versuche.

Aber ich glaube, jetzt spiele ich doch lieber noch eine Runde. Bevor X (mein Gatte, der hier nicht namentlich genannt werden möchte) nach Hause kommt. Und zielstrebig und über jede Wahlqual erhaben an den PC will.

23.11.98

Habe söben Terry Pratchetts "Gevatter Tod" (orig. "Mort") beendet und bin begeistert. Eigentlich halte ich ja nicht das Meiste von Fantasy. Eigentlich kann man Pratchett aber auch nicht den Fantasten zuordnen, eher den Parodisten der Allzumenschlichkeit. Ich empfinde es sogar als Frevel, ihn als "Douglas Adams der Fantasy" zu bezeichnen, 1. aus o.g. Gründen, 2. ist Adams ein armer Wicht gegen Pratchett.

Aber eigentlich wollte ich ja von Pickeln an Pötern berichten. Inzwischen habe ich das Thema weitläufig und minutiös mit diversen, innigst anteilnehmenden Freunden und Verwandten eruiert - und habe die Nase voll davon. Außerdem entfernt sich (sicher nicht nur bei mir) mit der Genesung jedes Interesse an einer Beschäftigung mit der Erkrankung; es sei denn, jemand anderes berichtet von seinem akuten Leiden, dessen Schilderung der Details man dann mit wissender Miene und kräftiger Stimme mit den eigenen Erfahrungen unterbrechen kann. Ich kann Euch nur raten: Trinkt mehr Lebertran! Soll helfen (ich selbst befinde mich noch in der Probephase, berichte aber später von den Miß- oder Erfolgen).

20.11.98

Also, um nochmal kurz auf die Hörbücher zurückzukommen. Zum Beispiel habe ich mir "Rettungsversuch für Piggy Sneed" von John Irving besorgt. Mit dieser 'Warum-ich-Romanautor-werden-wollte'-Geschichte hätte ich, trotz groupiehafter Anhängerschaft, nie meine ohnehin knapp bemessene Zeit vergeudet. Und siehe da, Auf der A1 im Stau fand ich mich vollauf bestätigt (wobei man vielleicht etwas hätte retten können, wenn man die Geschichte eines 20-jährigen nicht von einem 60-jährigen vortragen läßt).

Meine Zeit ist übrigens nur deshalb so knapp bemessen, weil ich meist unerträglich langsam bin; man muß mir nur mal beim Essen zusehen, ohne einzuschlafen. Daher nur noch eine kleine Meditation über Bilder, Männer und Frauen, bevor der Morgen mit Morgenrot droht.

 

"Schön, nicht?" fragte mich X (mein Gatte, der hier nicht namentlich genannt werden möchte) und präsentierte obiges Bild, irgendwo aus dem Netz geklaut (Im Original isses größer). Ich betrachtete, äußerte meine Bewunderung für den erzürnten Himmel und die Wunder der 3D-Generatoren heutzutage. Sicher, der Felsen sähe aus wie ein Wal und der Baum wie ein gerupftes Huhn, aber inhaltlich empfände er das Bild als wunderschön: Es hätte alles, was ein Mann braucht. Ruhiges Wasser, Dämmerung oder zumindest die himmlische Versicherung, keinen Sonnenstrahl durch die Wolkendecke zu lassen, ein Felsen, einen Baum zum Pinkeln. Idealer Platz zum Angeln.

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Seien Sie auch nächstes Mal dabei, wenn es heißt: "Pickel am Hintern - darüber wollte ich schon immer mal diskutieren."