Sandra Hyodo.

Ungedachte Gedanken. Alltäglicher Nonsens. Gibt es überhaupt einen Alltag?

Dieses Projekt gibt es schon einige Jahre. Wir sind älter geworden und hatten nun genug Gelegenheit, neuen Nonsense im Kopf anzuhäufen - Zeit, das Internet mit mehr davon zu füllen!
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Es gibt zwar wieder was zu lesen, dennoch verweise ich auf das ARCHIV, um in Erinnerungen und Inspirationen zu baden.

Möglicherweise haben Sie auch Vergnügen an meinem Blog, in dem sich oft aktuelle Unwichtigkeiten aus meiner Feder finden.

05.10.2004

Zeit zu grinsen

- Guten Tag Herr Doktor, ich möchte sterben.
- Mmm… da sind Sie bei mir aber wohl falsch, liebe Frau, ich bin nur Zahnarzt.
- Ich möchte mich ermorden und gern mit schönen Zähnen sterben. Sehen Sie, die vier da unten, sie sehen entsetzlich aus. Sie sind schon tot und deshalb ganz braun.
- Ah, ich verstehe. Ja, in der Tat, Sie haben ja sonst ein schönes Gebiß, soweit man das sehen kann, aber die vier da unten, ja, ich darf doch mal?

Er nimmt einen winzigen Wattebausch mit einer feinen Zange auf, tunkt ihn in eine Flüssigkeit und betupft damit die bräunlich-schwarzen vier Zähne, von denen die Rede ist.

- Sie spüren also nichts, werte Dame?
- Ich spüre links ein bißchen Kälte. Sonst spüre ich nichts. 

Der Zahnarzt tupft erneut, nur auf den linken der vier Zähne. 

- Spüren Sie das?
- Ja, es scheint, als wäre noch ein Hauch Leben in diesem Zahn, Herr Doktor. Aber das ist mir gleich. Ich möchte nur, daß sie die verfärbten Zähne umkleiden, damit sie gut aussehen. Ich möchte mit schönen Zähnen sterben.
- Umkleiden… es gibt eine Methode, mit der ich ohne viel Aufwand eine hübsche Verkleidung für Ihre Zähne erbringen kann. Sie ist jedoch teuer…
- Geld spielt keine Rolle, Herr Doktor. Ich werde dafür Sorge tragen, daß Sie zuverlässig entlohnt werden, noch zu meinen Lebzeiten. Ich kann doch davon ausgehen, daß diese Verkleidung ein paar Tage oder Wochen anhält?
- Gewiß meine Dame, diese Verkleidung, die man Veneers nennt, hält auch noch darüber hinaus. Sie werden also noch im Grabe schöne Zähne haben, wenn ich mir diese Formulierung erlauben darf.
- Aber sicher dürfen Sie, Herr Doktor. Sehr schön. Also beginnen Sie mit der Behandlung, ich habe nicht ewig Zeit.
- Mit Verlaub, werte Dame, es sind einige Vorbereitungen nötig. Zuerst muß ich einen Abdruck anfertigen, um die Lage und Stellung Ihrer Zähne zu erfahren. Der Techniker, der die Veneers herstellen wird, braucht diese Vorlage. Anschließend ermitteln wir die passende Farbe für Ihre Veneers, damit sie auch zu den anderen Zähnen passen. Sie werden dann leider etwa eine knappe Woche warten müssen, bis der Techniker die Veneers grundlegend hergestellt hat. In der Zwischenzeit wird er auch eine vorübergehende Zahnverkleidung bauen, die Sie tragen können, nachdem ich eine … 

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Dies ist eine beschissene Geschichte, die mich schon beim Schreiben zu Tode langweilt. Ganz abgesehen davon, daß sie beschissen recherchiert ist. Ich habe keine Ahnung, was nötig ist, um diese Veneers herzustellen und anzubringen.

Im Grunde ist diese Geschichte noch ein weiterer Anlaß, diesem erbärmlichen Dasein ein Ende zu setzen. Was nützt einem die Kunst, ganze, zusammenhängende Sätze zu formulieren, wenn der Inhalt einfach nur genauso öde ist, wie der von Gott verlassene Rest des Lebens?

Millionen solcher Geschichten versauen die Atmosphäre, Trilliarden bescheuerter Versuche sich zu verewigen versauen den Rest, den solche Geschichten noch nicht versaut haben. Welche Atmosphäre ich meine? Die, in der das herrliche, herrschaftliche Menschengeschlecht vor sich hin vegetiert! Der Himmel ist immer noch scheinbar blau und so ozonverseucht, wie es ihm gefällt, ob es uns nun gibt oder nicht. Er nimmt die menschlichen Ausdünstungen an, wie er das Atmen der Grünpflanzen annimmt, er folgt einem anderen Schicksal, das vielleicht genauso verheerend sinnlos ist, wie das unsere.
Die Atmosphäre der Menschen ist aber die, in der die wunderbare menschliche Kreativität und Gedankenwelt existiert, ein unsichtbarer aber fies kontaminierter, total verdreckter und sinnentleerter Nebel, den wir ständig wiederkäuen und verdauen und die Exkremente dieser Verdauung wieder diesem Nebel hinzufügen.

Wozu denn das ganze Gehampel um Wissenschaft, Medizin, Philosophie? Doch nur, um die Menschheit wie ein perpetuum mobile am Fressen zu halten. Aber wofür ist sie denn gut, die ach-so-gottgewollte Menschlichkeit und Menschheit? Entwickeln wir uns etwa? Und wenn ja, wohin? Auf den Wissenstand hin, ins All reisen zu können und unsere Dummheit und Arroganz noch in andere Galaxien tragen zu können? Zu welchem Zweck? Was haben wir denn zu verbreiten, außer vielleicht Ästhetik? Musik und gefällige Bildchen sind vielleicht noch mit-teilenswert, eine amüsante Vergnügung für einen Alien, vielleicht; wenn dieser überhaupt Ohren und Augen hat, solches zu registrieren.
Humor. Humor wäre gut, Lachen macht Spaß. Aber außer uns kann hier kein Tier und kein Baum lachen, will es scheinen. Warum erforscht das eigentlich niemand außer diesen Esoterik-Schwachköpfen? Woran haben diese Wesen Spaß? Ist es überhaupt wichtig, Spaß zu haben? Außer für uns Menschen? 

Was kann ein Mensch noch tun, wenn ihm die Sinnlosigkeit seines Daseins den letzten Lebens-Nerv raubt?
Liebe, sagen manche, das sei ja so fantastisch wunderbar. Manche gehen soweit, biologische Mechanismen in Frage zu stellen, weil wir keine Zertifikate für Glaubwürdigkeit ausgeben können, was unsere Forscher angeht. Kann doch sein, daß sie alle nur ihren Wahnvorstellungen von Patriar- oder Matriarchat folgen. Wer will denn bestimmen, was wirklich objektiv ist, unter uns Menschen? Wenn Liebe also nicht auf Hormonen beruht, weil diese nur eine Erfindung wie die Erde als Scheibe sind, was ist sie dann? Ist sie dann mehr wert? Ist sie nicht einfach nur ein weiteres Spielchen, mit dem wir uns die Zeit und das Glück vertreiben? Ist menschliche Liebe nicht genauso ein Egoismus, wie unser Wesen selbst?
Woher kommt denn der unwiderstehliche Drang der Menschen, sich irgendeiner Form von Droge zu unterwerfen, sei es nun ein Halluzinogen, Leistungssport, Religion, Hedonismus, Atheismus oder was es nicht noch für –ismen gibt?  

Es ist die Frage nach dem Sinn. Und die, die sich die Hallus einwerfen, sind vielleicht noch die angenehmsten Vertreter unserer Spezies, werden sie es doch so weit treiben, daß sie ihr Leben damit verkürzen - und dabei praktischerweise nur noch unzusammenhängendes Zeug erzählen, mit wachsendem Verfall. Oder lieber die religiösen Fanatiker? Aber nein, das ist baba, die lassen ja nicht jedem armem Wurm die vielgelobte Freiheit, seinen Abgrund selbst zu wählen. Die machen einfach eine böse, böse Gehirnwäsche und sprengen dann sich und ihre Glaubensjünger in die Luft oder brennen sich und alle ganz eklig nieder. 

Es ist so lächerlich. Und so traurig. Ich kann schreiben und schreiben und schreiben und es wird nicht besser, die Wut und die Leere werden einfach nur größer.

Nur mein Hund liegt eingeschüchtert in seinem Körbchen. Ich habe nichts gesagt oder getan, aber er scheint etwas zu dibbern. Er hat sogar eine ganze Bratwurst bekommen, aber er traut dem Paradies nicht. Er ist ein bitterarmes Wesen, von der Laune eines Menschen abhängig zu sein. In ihm steckt eine Liebe, die nie verzweifelt und nie unglücklich macht, es sei denn, das Objekt dieser Liebe stirbt vor dem Hund. Dann trauert er ein bißchen und schenkt sein Herz einem neuen Herrchen. Vielleicht sollten wir einen Hund ins All schicken, um unsere größte Errungenschaft, den domestizierten Wolf, den fremden Galaxien zu offerieren. Ich meine sogar, er kann grinsen… wenn ich seinen Humor auch nicht verstehe.